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Dieser Artikel im Original (PDF-Datei): Artikel DAB 4/13

Artikel im Deutschen Architektenblatt 4/13

Wussten Sie schon? (14)
Parklandschaft aus Recycling-Material

Bei der Umgestaltung einer Industriebrache zu einem Bürgerpark in Schönebeck bei Magdeburg wird das Altmaterial zu großen Teilen wiederaufbereitet. Dabei arbeitet die Landschaftsarchitektin von Anfang an mit einem Experten für Schadstoffanalyse und Bodenuntersuchung zusammen.

Die Schönebecker Politiker und Planer waren beeindruckt, als die Landschaftsarchitektin Elisabeth Köllmann bei einer Begehung im vergangenen Jahr ihre Vorstellungen erläuterte, die Industriebrache Salineinsel in ein stadtnahes Erholungsgebiet umzuwandeln. Kein leichtes Unterfangen. Auf dem zwölf Hektar großen Areal zwischen Salinekanal und Elbe wurde 250 Jahre lang Salz gesiedet, noch bis in die 1960er Jahre. Bis zur Wende waren DDR-Betriebe ansässig, dann verfiel das Areal und wilde Müllkippen breiteten sich aus. Mit einer Finanzierung durch die Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 bot sich erstmals die Chance der "Aufwertung eines einzigartigen Stadtareals", so Baudezernent Guido Schmidt.

Die Salineinsel an der Elbe wird mit Liegewiesen und einem Beachvolleyballplatz ausgestattet, mit Asphaltwegen für Skater und Radler und einer Anbindung an den Elberadweg. Doch der Boden des ehemaligen Salzfabrikgeländes hat es in sich: Bis zu vier Meter dick sind die Schichten aus Schlacken, Aschen und Ziegelbruch – Erde, auf der blühende Parklandschaften gedeihen, sieht anders aus. Eine Herausforderung für die Landschaftsarchitektin. "Nach deutschem Abfallrecht hätte alles auf die Deponie gemusst", sagt sie. Aber das Abtragen alter Schichten und das Auffüllen mit Mutterboden hätte nicht nur das Budget gesprengt. Auch aus ökologischen Gründen verzichtete die Planerin auf die gigantische Umschichtung. Sie erhielt eine Sondergenehmigung für die umfassende Wiederverwertung alter Materialien.

Foto: Die Schönebecker Salineinsel wird landschaftlich umgestaltet
Die Schönebecker Salineinsel wird landschaftlich umgestaltet. Foto: René Schäffer

Für Schadstoffanalysen und Bodenuntersuchungen holte sie den Chemiker Dr. Hartmut Grahlert ins Boot. Seine Untersuchungsergebnisse waren mitentscheidend für die landschaftsgärtnerische Gestaltung. So wurden vorhandene Betonwegeflächen nach einer Schadstoffanalyse mit Hilfe mobiler Anlagen vor Ort wiederaufbereitet und als Tragschichten für Parkwege verwendet. Für Dammschüttungen an den Wegen kamen gebrochener Porenbeton und Ziegelsplitt aus den im Baufeld abgerissenen Gebäuden Die Schönebecker Salineinsel wird landschaftlich umgestaltet. Elisabeth Köllmann ist Freie Landschaftsarchitektin in Halle (Saale) www.landschaftsarchitektur- koellmann.de Dr. Hartmut Grahlert ist Experte für Schadstoffanalysen und Bodenuntersuchungen www.grahlert-hohenwarthe. de Foto: René Schäffer zum Einsatz. "Dieser mineralische Abfall, zu gleichen Teilen gemischt mit aquatischem Schlamm, eignet sich als Pflanzsubstrat, auf dem Wiesenvegetation gut gedeiht", sagt der Experte für Analyse und Verwertung mineralischer Abfälle.

Das ehemalige Salzmagazin, ein Fachwerkbau von 1898 im Zentrum des Areals, wurde bisher in Teilen saniert, es kann nach der Restaurierung als Veranstaltungsort genutzt werden. Gesundheitlich unbedenkliche Abraum- und Bauschutthügel wurden passend zum bestehenden Bodenrelief modelliert. Sogar die Betonschwellen, auf denen früher die Gleise für den Bahntransport der Sole verlegt waren, bekamen eine neue Aufgabe: Kreisförmig geschichtet und mit einem Gräserteppich versehen, definieren sie nun einen geschützten Raum innerhalb des Parks. Damit gepflanzte Bäume sich gut entwickeln, mussten extragroße Baumgruben ausgehoben und mit Baumsubstrat verfüllt werden.

Die Kooperation mit dem Experten für Schadstoffanalyse hat sich als ideal erwiesen. "Wir wussten so schon sehr früh, welche Pflanzungen nicht möglich sind und wo wir welche vorgefundenen Altmaterialien problemlos wieder einsetzen konnten", sagt die Landschaftsarchitektin. Im Sommer 2013 soll die Anlage fertig sein. Unter dem Salinepark ist dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Industriegeschichte begraben. Und vielleicht werden die stummen Zeugen aus der Vergangenheit uns daran erinnern, zu welch knappem Gut Natur-Ressourcen geworden sind.

Marie Wildermann, Journalistin

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